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High Noon...

High Noon: Wenn eine Blick-Lüge plötzlich viel kostet


Aufgrund verleumderischer und falscher Behauptungen gegen den 82-jährigen Vermögensverwalter und Kunstmäzen Peter Buser muss der Verlag Ringier Geld bezahlen – und eine Gegendarstellung publizieren. Es war ein Sieg für Buser in einem fast unmöglichen Kampf.


Vor 13 Monaten haben wir uns schon einmal zum Thema Skandalisierung geäussert und in diesem Zusammenhang den Fall Peter Buser angeführt. Eine kurze Sequenz in einem Beitrag des Schweizer Fernsehens reichte, um in einigen Medien einen schweizweiten Shitstorm auszulösen.

Peter Buser, 82, hatte in dieser TV-Sequenz seine Freundin neben sich auf dem Boden Platz nehmen lassen, weil sie als seine Partnerin eine «unterwürfige Haltung» einnehmen müsse. Was für ein gefundenes Fressen! Dem Hockeyclub Davos wurde vom Journalisten dringend geraten, auf das Geld dieses speziellen Sponsors doch zu verzichten, da er offensichtlich ein völlig veraltetes, patriarchales und sexistisches Weltbild habe.

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Natürlich liess sich die Boulevard-Zeitung Blick die Chance nicht entgehen, und nahm den sicher nicht gänzlich stromlinienförmigen Zeitgenossen unter die Lupe. Und da gab es für Wirtschaftsredaktor Marc Iseli einiges zu berichten. So wird dem Leser in mehreren Artikeln dargelegt, dass der 82jährige wild durch die Welt zügelt: «Eine Mietwohnung in Zürich, ein Haus in Liechtenstein, eine Wohnung auf der Kanaren-Insel Teneriffa und ein Zuhause im südspanischen Marbella: Peter Buser lebt an vielen Orten. Offiziell registriert ist er aber in Paraguay. In der Schweiz ist er seit 1990 nicht mehr gemeldet. Damals verlegte er seinen Wohnsitz erstmals nach Südamerika. In die Dominikanische Republik.»

Der Steuerflüchtling

Damit sollte dem geneigten Leser klar sein: «Busers Konstrukt ist undurchsichtig. In Liechtenstein zahlt er jedenfalls Grundstücksteuer. Der Immobilienbesitz ist auch der Grund, weswegen er mit liechtensteinischem Kennschild durch die Gegend fährt. Zwei Autos besitzt der ehemalige Vermögensverwalter laut eigenen Angaben: einen VW Beetle und einen Aston Martin. Letzterer hat einen Wert von knapp 350'000 Franken.»

Im gleichen Artikel dann der Vorwurf: «Die Steuerbehörden in der Schweiz loten aus, inwiefern sein Lebensmittelpunkt eigentlich in Zürich liegt. Es gilt die Faustregel: Wer die Mehrheit des Jahres an einem Ort lebt, ist dort auch steuerpflichtig.» Und in einem weiteren Artikel geht Iseli/Blick noch weiter: «Steueramt Zürich rückt Millionär Peter Buser auf die Pelle». Behörden prüfen, wo der umstrittene HCD-Sponsor wirklich wohnt.

Laut Blick vermuten die Zürcher Behörden, dass der 82-Jährige nur auf dem Papier in Paraguay lebt. Um in der Schweiz keine Steuern zu zahlen. Sie haben deswegen eine Untersuchung lanciert. Sie wollen nachprüfen, ob Buser seinen Lebensmittelpunkt in der Limmatstadt hat. Die Behörden in Zürich sind skeptisch, weil Buser immer wieder in seiner Mietwohnung in Zürich anzutreffen ist.

Gute Kontakte zu den Behörden?

Der Journalist agiert, als wenn er im engen Kontakt mit den Steuerbehörden stünde. Denn er weiss in einem weiteren Artikel, dass das abenteuerliche Steuerkonstrukt des gebürtigen Solothurners nun ins Wanken kommt. Über seine Kontakt zu den Behörden hält sich Iseli recht bedeckt. Nur einmal zitiert er einen Sprecher des Präsidialamts der Stadt: «Peter Buser ist derzeit nicht gemeldet in der Stadt Zürich.» Und ein Sprecher der kantonalen Finanzdirektion ergänzt: «Angaben zum konkreten Fall können wir aus Gründen des Steuergeheimnisses keine machen.» Massgebend sei der Lebensmittelpunkt. «Und der wird anhand von verschiedenen Kriterien im Einzelfall beurteilt.»

Marc Iseli (Wirtschafts-)Journalist, Politikwissenschaftler, Ökonom. Wirtschaftspädagoge, Sek-II-Lehrer in Ausbildung und sozial engagiert, hat sein Ziel erreicht. Peter Buser ist als Steuerflüchtling enttarnt, wird schweizweit angeprangert. Zur nicht belegten Steuerfluchtgeschichte garniert er seine Geschichten geschickt mit Vorwürfen aus den Bereichen Neid und Sexismus (Aston Martin, Villen, demütige Freundinnen, Playboy-Leben). In der aktuellen Zeit immer ein Garant für Schnappatmung in vielen Gesellschaftsschichten.

Natürlich entsteht durch solche Artikel immer ein Reputationsschaden. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass einer Person der Kredit oder die Bankbeziehungen gekündigt werden, dass Aufträge gestrichen werden oder ganz ausbleiben. Es kann (Todes-) Drohungen geben, die Verwandtschaft wird darauf angesprochen, die Kinder in der Schule gehänselt. Aber was, wenn am Ende die ganze Steuerflüchtlings-Geschichte in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus? Was wenn die ganze Kampagne sogar falsch ist? Wie soll man dann reagieren?

Und vor allem: Lohnt sich der Weg über die Staatsanwaltschaft oder ein Gericht? In vielen Fällen raten wir unseren Kunden davon ab, sich auf eine juristische Auseinandersetzung mit einem Medienhaus einzulassen. Denn erstens deckt die Flut neuer News auf allen Kanälen viele negative Artikel rasch zu. Genau so wichtig aber: das Prozessrisiko in so einem Medienkrieg ist für die meisten Unternehmen und Personen viel zu hoch. Und ein guter und unabhängiger Medienanwalt – oder eine Medienanwältin ist a.) nicht so einfach zu finden und kostet b.) auch nicht eben wenig Geld.

Buser - ein Gary-Cooper-Typ

Zurück zum Fall Buser. Hier haben sich Iseli und der Blick wohl die die falsche Persönlichkeit ausgesucht. Denn Peter Buser ist schon sein langes Leben lang ein Kämpfer. Ein Gary Cooper-Typ, der sich auch einem Kampf stellt, der auf den ersten Blick nicht zu gewinnen ist. Und wer so in die Ecke gestellt wird, unfair und verleumderisch, der stellt sich dem Kampf. Natürlich von Vorteil, wenn man sich das auch monetär leisten kann. Dann kann man sich auch mit dem mächtigsten Verlag des Landes anlegen. Und wie Gary Cooper im legendären Western «High Noon» oder «Zwölf Uhr mittags», gewinn Buser den fast aussichtslosen Kampf gegen Ringier und zwingt Redaktor Marc Iseli, CEO Marc Walder sowie den Verlag juristisch in die Knie.

Wie gut unterrichtete Kreise berichten, ist das mächtige Verlagshaus schon vor dem Friedensrichter eingeknickt. Nicht nur muss Ringier an Peter Buser Geld zahlen, nein er muss sich auch noch im Blick für seine verleumderischen und falschen Behauptungen eine Gegendarstellung veröffentlichen . Was für eine Schmach. Denn die Artikel stimmten im Kern der Aussagen nicht. Iseli hatte keinen engen Kontakt zu den Steuerbehörden, denn eine Steueruntersuchung, das musste jetzt auch der bekannte Medienanwalt von Ringier eingestehen, fand bis heute nicht statt. Auch andere Aussagen im Artikel konnten nicht belegt werden.

Für das Krisenmanagement und auch die Kommunikation wird die immer engere Bandbreite akzeptierter Verhaltensweisen zu einer immer grösseren Herausforderung. Moralisieren ist «in», wer nicht dem Gutmenschen-Dasein frönt, wird entweder skandalisiert oder «gecancelt». Der aktuellen Mediengesellschaft ist der moralische Kompass in vielen Bereichen verloren gegangen. Dafür ist der Fall Buser ein guter Beweis. Für Ringier ist es eine weitere teure Niederlage mehr, und die Liste der Fälle wird immer länger: Jolanda Spiess-Hegglin, Carl Hirschmann, Thomas Borer, Willy Schnyder/Patty Schnyder, DG Bank Schweiz AG.

Und neue jetzt auch: Peter Buser.


https://www.dieostschweiz.ch/artikel/high-noon-wenn-eine-blick-luege-ploetzlich-viel-kostet-9YOxJJw?fbclid=IwAR3VrHeJ1NOzXXsEGT1p0FJ2qFMC-18mLEpPhuGidto4ppara0g4eYFZNBA

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