• Peter Buser

"Ich provoziere gern, aber ich liebe Frauen." - Il Caffè (Corriere del Ticino), 23.02.2020

Andrea Stern, 23. Februar 2020

Im Alter von 82 Jahren war er plötzlich in aller Munde. Peter Buser, der Mäzen. Peter Buser, der Dichter. Peter Buser, der Bankier. Peter Buser, der Exzentriker. Peter Buser, der Sexist. "Aber diese letzte Bezeichnung", sagt er im Il Caffè, "ist nur eine grundlose Anschuldigung, eine Erfindung einer Journalistin des Schweizer Fernsehens. Ich liebe die Frauen, ich kannte Tausende von ihnen und habe ihnen immer den größtmöglichen Respekt entgegengebracht".


Das Missverständnis ergab sich aus einem Interview, das Buser im vergangenen Dezember gab, nachdem er Hauptsponsor des HC Davos geworden war. Das Schweizer Fernsehen wollte herausfinden, wer der Multimillionär ist, welcher sich entschlossen hatte, den Sportverein im Graubünden zu unterstützen. Die Journalistin begrüßte Buser in seinem Haus, er spielte Klavier, wobei ihm seine junge dunkelhäutige Freundin zu Füßen saß. Auf dem Boden. "Ich bin der Hausherr" - erklärte er der Journalistin - "sie war vor 200 Jahren eine Sklavin und heute ist sie eine Frau in einer untertänigen Stellung". Der Himmel riss auf. Die Anschuldigungen haben aus grossen Kannen gegossen. Ein sozialistischer Nationalrat ging sogar so weit, ein Ende der Zusammenarbeit zwischen dem HC Davos und Buser zu fordern. Buser hat sich verteidigt: "Der Teppich ist neu," - erklärte er - "und er ist sehr bequem für meine Freundin".


Provokationen über Provokationen. Das erste Mal ist er 2015 auf dem Wiener Opernball aufgetreten, als er zusammen mit dem umstrittenen deutschen Schauspieler Helmut Berger von sechs jungen Frauen umgeben war. Buser löste einen Skandal aus. Er wurde verhaftet und eine Stunde später mit einer Entschuldigung der österreichischen Polizei wieder in die Oper geführt. "Provokation ist die wirksamste Art," - sagt er - "um die Aufmerksamkeit auf meine kulturellen Projekte zu lenken." 'Kulturell' ist das Stichwort. Denn Peter Buser ist kein Multimillionär wie die anderen. Er ist auch Schriftsteller, Musiker und Konzertveranstalter. Ein Mann, der in 14 Sprachen spricht und schreibt. Ein Philosoph mit einer großen Leidenschaft für Friedrich Nietzsche. "Aber ich möchte," - gibt er zu - "vor allem als Dichter in Erinnerung bleiben."


Peter Buser wurde in einer Arbeiterfamilie in Trimbach (Kanton Solothurn) geboren und arbeitete zunächst als Primarschullehrer. Danach schloss er sein Studium der Romanistik an der Universität Bern mit "summa cum laude" ab. Aber Peter Buser hatte noch ein weiteres Talent: das Investmentbanking. Schon während des Studiums hatte er durch das Handeln mit Wir-Schecks eine Menge Geld erwirtschaftet. Dann begann er, Vermögenswerte von Dritten zu verwalten, und auch dort zeigte er großes Talent. Als er 30 Jahre alt war, hatte er bereits seine erste Million verdient. Langsam wurde Trimbachs "armes Kind" zu einem beneideten Finanzmann. So sehr, dass er 1993 sogar in Brasilien entführt wurde und für die Freiheit eine halbe Million Dollar zahlen musste. Das blieb nur als ein kleiner Zwischenfall in Erinnerung, der ihm nicht die Lust nahm, die Welt zu bereisen und Geschäfte zu machen. Auch heute noch ist er täglich an der Börse aktiv, obwohl er bereits Millionen und Abermillionen angehäuft hat. "60 Millionen", um genau zu sein.


Alleinstehend, kinderlos, will Buser nun sein Kapital nutzen, um einen kulturellen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Das Engagement in Davos dient ihm beispielsweise dazu, ein klassisches Musikfestival in der Bündner Alpenstadt durchzuführen. In Basel hingegen leistete er einen Beitrag von einer halben Million Franken für das Historische Museum. Im Jahr 2018 gründete er das Label "Conlydra", in dessem Rahmen er Konzerte und Theaterstücke organisiert. Und 2018 schuf er die Stiftung "Buser World Music Forum Foundation", welche zum Ziel hat, den Philosophen Friedrich Nietzsche bekannt zu machen und ins richtig Licht zu rücken. Unnötig zu sagen, dass Busers Agenda jetzt dichter ist als je zuvor. Er scheint eine zweite Jugend zu leben. "Mein Leben ist wie das, das der deutsche Schriftsteller Martin Walser in seinem Roman "Angstblüte" geschildert hat. Ich bin wie eine Blume, die kurz vor dem Tod nochmals aufblüht".



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